Befürchtungen wurden wahr!

WAZ, Herne&Wanne-Eickel
02.07.2020 (online)
Michael Muscheid

Corona: Schülerin aus Herne nach Abiprüfung positiv getestet
Herne.  Eine Schülerin einer Herner Gesamtschule ist nach einer Abiprüfung positiv auf Corona getestet worden. Vier Schüler sind nun in Quarantäne.
An der Mont-Cenis-Gesamtschule in Herne hat es kurz vor den Schulferien einen Corona-Fall gegeben. Eine Schülerin, die in einer mündlichen Abiturprüfung saß, ist wenige Tage nach der Prüfung positiv auf Covid-19 getestet worden. Das bestätigt die Stadt auf Anfrage der WAZ. Vier Schüler seien deshalb in Quarantäne. In der Lehrerschaft, sagt die Gewerkschaft GEW, sei die Aufregung groß: Lehrer fürchteten, dass sie sich im Umfeld der Prüfung angesteckt haben.
Den Fall öffentlich macht der Landesverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Mehrere besorgte Lehrer der Mont-Cenis-Gesamtschule in Sodingen hätten sich in Düsseldorf gemeldet: „Bei ihnen schrillen die Alarmglocken“, sagt GEW-Vorstandsmitglied Jochen Bauer zur WAZ. Nach seinen Worten hatte die Schülerin kurz vor den Ferien eine mündliche Abi-Nachprüfung und saß zunächst mit drei weiteren Schülern und einem Lehrer in einem Vorbereitungsraum, bevor die Schüler dann getrennt in ihre Prüfungsräume gingen. Dort wurde jeder Schüler im Beisein von drei Lehrern geprüft, so auch die Schülerin.

Herne: Abiturfeier wurde kurzfristig gestrichen
Bei den Lehrern schrillen die Alarmglocken: Jochen Bauer, Vorstandsmitglied des GEW-Landesverbands.
Am vergangenen Donnerstag, einen Tag vor den Ferien, sei bekannt geworden, dass bei der Schülerin der Verdacht einer Ansteckung bestand; in ihrer Familie sei ein Mitglied positiv auf Covid-19 getestet worden. Deshalb habe die Schulleitung die für Freitag geplante Abiturfeier kurzfristig gestrichen, um eine mögliche breite Ansteckung unter den Abiturienten zu verhindern. Nach Berichten eines Lehrers gegenüber der GEW sei die Schülerin nach ihrer Prüfung ohne Maske in der Schule herumgelaufen und sei deswegen von einem Lehrer nach Hause geschickt worden. Im Vorbereitungsraum, so GEW-Vorstandsmitglied Bauer weiter, habe es keine Liste darüber gegeben, welcher Schüler wo gesessen habe. Lehrer fürchteten sich nun, dass sie sich angesteckt haben – im Vorbereitungsraum oder im Prüfungsraum. Auch könnten sich zahlreiche Schüler angesteckt haben.
Die Stadt bestätigt den Fall. Die Schule sei bei ihren organisatorischen Vorbereitungen der Prüfungen aber sehr aufmerksam und sorgfältig gewesen, sagt Stadtsprecher Christoph Hüsken. Abstandsregelungen hätten gut eingehalten werden können. Die vier Schüler, die mit im Vorbereitungsraum gesessen hätten, würden getestet und seien in Quarantäne; ein Testergebnis stehe noch aus. Die Lehrer dagegen habe die Stadt Herne wegen der eingehaltenen Abstände nicht als Kontaktpersonen ersten Ranges eingestuft, müssten also nicht getestet und nicht in Quarantäne. „Es handelt sich also um ein überschaubares Szenario, was auch erklärt, warum es keine gesonderte Kommunikation gab“, sagt Hüsken.

Lehrer hat sich Coronatest unterzogen
Dem widerspricht GEW-Vorstand Bauer. Er nennt es „ganz schwach“, dass die Stadt Herne den Fall nicht öffentlich gemacht hat. Das Ansteckungsrisiko sei keinesfalls gering – auch, weil die kranke Schülerin ohne Maske in der Schule unterwegs gewesen sei und auch dabei andere angesteckt haben könnte. Das hätte die Öffentlichkeit wissen müssen. Ein betroffener Lehrer habe sich einem Coronatest unterzogen, er sei negativ ausgefallen, berichtet er weiter.
Schulleiterin Sylke Reimann-Peréz bestätigt, dass sie die Abifeierlichkeiten nach dem Verdachtsfall sicherheitshalber abgesagt habe. Die bekannten Abstands- und Hygieneregeln, betont sie, seien an ihrer Schule aber strengstens eingehalten worden, auch bei den Prüfungen. Für das Schulgebäude habe sie in der Corona-Zeit außerdem eine Maskenpflicht angeordnet. Und selbstverständlich sei auch bekannt, wer im Vorbereitungsraum wo gesessen habe, sagt sie zur WAZ. Dass die kranke Schülerin nach ihrer Prüfung ohne Maske im Schulgebäude unterwegs gewesen und deshalb von einem Kollegen nach Hause geschickt worden sei, sei ihr nicht bekannt.