Arbeitsplatz Schule

Lernort, Lebensraum für alle und Arbeitsplatz

bringen wir in dieser Rubrik unter einen Hut. Verschiedene Themenbereiche und Aspekte von Lebensraum für alle" und Lernort Schule", die für uns relevant sind und mit denen wir uns beschäftigen, werden hier dokumentiert.

Schulsanierung
Politik gibt grünes Licht für Schulsanierungsprogramm

Ein 150-Millionen-Euro Sanierungs- und Modernisierungsprogramm in Herne wurde einstimmig beschlossen.

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Gemeinsamer Religionsunterricht
Schulen und Hernes Kirchenvertreter für gemeinsamen Religionsunterricht

Aus Mangel an Religionslehrern oder zu wenigen Schülerinnen und Schülern für eine Konfession haben Herner Schulen bereits sehr gute Erfahrungen mit dem gemeinsamen Religionsunterricht gemacht.

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Bildungspolitik
Sorgen und Unverständnis über bildungspolitische Setzungen der Landesregierung

Pressemitteilung der GEW Herne zur prekären Situation an den Schulen

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Umfrage: Wie geht es Schülerinnen und Schülern in der Schule?

Schülerinnen und Schüler unter Stress und Überforderung

So lautet das Fazit einer Umfrage mit dem Thema "Wie geht es dir in der Schule?". Die Schüler*innenvertretung der Erich-Fried-Gesamtschule in Herne erarbeitete den Fragenkatalog mit 24 Fragen für Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 bis 13. Im Mai 2015 startete die Umfrage im Netz. Bis Mai 2016 nahmen mehr als 1000 Schüler*innen daran teil.
Darüber hinaus wurden psychologische, psychiatrische und allgemeine medizinische Beratungsstellen sowie Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit, der Sportjugendarbeit und der Musik- oder Kunstpädagogik befragt.
Carsten Piechnik, begleitender Lehrer des Projektes, stellte die Umfrage und die Ergebnisse in den nds-Ausgaben 5/2015 und 5/2016 vor und beleuchtet in beeindruckender Weise unser Schulsystem und Zielsetzungen der Bildungspolitik, die ein ganzheitliches Bildungsverständnis vermissen lassen.
Die Artikel aus der nds 5/2015 und 5/2016 und die detaillierten grafischen Auswertungen stellen wir Ihnen hier zur Verfügung.

Podiumsdiskussion zu den Themen der Umfrage

Podiumsdiskussion mit Politikern in der Erich-Fried Gesamtschule

Am 22.03.2017 diskutierten Schülerinnen und Schüler der Erich-Fried-Gesamtschule mit Herner Politikern über die Ergebnisse ihrer Umfrage und über bildungspolitische Themen.
Hier ein Artikel der WAZ, Lokalteil Herne& Wanne-Eickel vom 24.03.2017:

Lehrermangel

Neben den seit geraumer Zeit immer wiederkehrenden Baustellenschwerpunkten wie Inklusion oder Seiteneinsteiger-Beschulung haben die Schulen in Herne – wie wohl im gesamten Land – eine weitere, besonders prekäre Situation hart getroffen: Der Lehrermangel.
Für eigentlich zu besetzende, offene Stellen finden sich schlicht nicht mehr genügend ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. In einigen Besetzungsverfahren können bereits 50% der Stellen nicht besetzt werden.
Dies hat für alle Beteiligten fatale Folgen:

  • Die im System tätigen Lehrer fangen den Mangel in hohem Maße durch Mehrarbeit auf, deren „Zurück- Erstattung“ nicht mal immer gesichert ist, z.B. bei Abordnungen an andere Schulen oder eigener Erkrankung.
  • Die ohnehin oft schon am äußersten Rande ihrer Belastbarkeit agierenden Kolleg*innen werden also noch weiter belastet und erkranken möglicher Weise auch noch. Ein Teufelskreis!  

In der Folge versucht das Land,
bereits aus dem Dienst ausgeschiedene Lehrer*innen zu einer Wiederaufnahme ihres Dienstes aus der Pensionierung oder Rente heraus zu bewegen. Eine Zumutung in der angespannten Situation in den Schulen.
Daneben werden immer mehr Personen eingestellt, die gar nicht ihr Lehramtsstudium abgeschlossen haben, zum Teil sogar noch nie etwas mit pädagogischer Profession zu tun hatten. Das ist eine äußerst bedenkliche, deutliche Minderung des Stellenwertes der beruflichen Profession von Lehrer*innen.

Wie Qualität von Unterricht und Umgang mit den Kindern und Jugendlichen in diesem Zusammenhang gesichert werden sollen, erscheint völlig unklar, wenn nicht sogar zweitrangig. Darüber hinaus fehlen an etlichen Schulen, besonders in den Grundschulen, Schulleitungen, deren Aufgaben auch „irgendwie“ übernommen werden müssen.

Die Folgeprobleme des Lehrermangels liegen klar auf der Hand:

  • Noch größere Lerngruppen,
  • noch weniger Zeit für Betreuung einzelner Schüler*innen,
  • Unterrichtsausfälle,
  • häufiger Lehrer*innen-Wechsel in den Lerngruppen,
  • ständige Vertretungspläne und
  • überforderte oder stressbedingt erkrankte Kolleginnen und Kollegen.

Dass in dieser Situation zeitgleich viele Studiengänge des Lehramtsstudiums mit NCs belegt sind, erscheint weder zielführend noch folgerichtig.

Respekt in der Schule

Laut einer Forsa-Umfrage soll Gewalt an den Schulen - auch gegen Lehrerinnen und Lehrer - weit verbreitet sein. Es komme offenbar häufiger vor, dass Kinder, Jugendliche und sogar Eltern, Lehrerinnen und Lehrer mit den übelsten Beleidigungen konfrontierten. Und auch Tätlichkeiten seien bekannt.

Die WAZ-Redaktion hat Kathrin van Hoften zu diesem Thema befragt. Wir veröffentlichen hier das schriftlich vorliegende Interview.

WAZ: Werden auch in Herne Lehrerinnen und Lehrer beschimpft oder sogar tätlich angegriffen?
van Hoften: Davon bin ich überzeugt. Leider haben wir aber keine Datenerfassung über Schulen, die sich mit dem Thema Gewalt und Respektlosigkeit an ihrer Schule auseinandersetzen müssen.

WAZ: Gibt es Begründungen für die zunehmende Respektlosigkeit an Schulen?
van Hoften: Das soziale Klima wird leider immer rauer, Ursachen dafür liegen insbesondere in der zunehmenden Arbeitslosigkeit, Armut und den unsicheren Zukunftsperspektiven, mit denen vor allem Familien im Ruhrgebiet belastet sind. In Herne liegt die Kinderarmut bei ca. 30 %, das wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit der Kinder, sondern auch auf ihr Sozialverhalten aus. Umso wichtiger ist es, dass Schule in allen Bereichen, in denen engagierte Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, Psycholog*innen, Erzieher*innen usw. versuchen, Kinder aufzufangen und weggefallene soziale Rahmen zu ergänzen oder zu ersetzen, unterstützt wird. Angesichts der sozialen Probleme, mit denen viele Kinder belastet sind, muss Schule neu gedacht werden. Das finnische Schulwesen kann hier ein Vorbild sein: Schul-Psycholog*innen, -Sozialarbeiter*innen,  -Krankenschwestern und -Ärzt*innen sind hier feste Bestandteile von Schule; Schülerfürsorge als hohes Ziel wird dort definiert als die Förderung und Wahrung der Lernfähigkeit von Schülerinnen und Schülern, ihrer physischen und psychischen Gesundheit und ihres sozialen Wohlbefindens.

WAZ: Was bedeutet Respekt heutzutage?
van Hoften: Respektvoller Umgang miteinander stellt einen hohen gesellschaftlichen Wert dar und der Niedergang desselben ist auch immer schon Thema gewesen. Schon Sokrates beklagte die schlechten Manieren der Jugend und ihren respektlosen Umgang mit den Lehrern. Aber damit will ich das Problem nicht beschönigen. Wir alle wünschen uns, dass respektvoll mit uns umgegangen wird und das auch und vor allem im Beruf. Durch das Internet nimmt vor allem die verbale Gewalt gegen Lehrer*innen zu. Es ist nicht zu unterschätzen, welche Auswirkungen im Internet verbreitete Beleidigungen auf die Gesundheit der Kolleg*innen haben können.

WAZ: Gibt es an Schulen bestimmte Maßnahmen, um das Miteinander zwischen Lehrern, Eltern und Schülern zu verbessern?
van Hoften: An vielen Schulen sind Projekte zu Antirassismus-Arbeit, Gewaltprävention, Streitschlichterprogramme, in denen Kinder Konflikte selbstständig unter Moderation von ausgebildeten Schüler*innen gewaltfrei angehen, seit Jahren Bestandteil des Schulprogramms.